Abschied - Sr. Martina Küting

Liebe Martina,

ich weiß, Du hast weitaus mehr verdient, als diesen eher stillen und leisen Weggang. Doch die Ereignisse der letzten Wochen, die so vieles auf den Kopf stellen, lassen uns keine andere Möglichkeit als diese, um Dich zu verabschieden. Ich bin mir sicher, das Jugendheim in Wessum und der Treffpunkt St. Andreas würden aus „allen Nähten platzen“ und könnten die Menge der Leute nicht fassen, die Dir ganz persönlich Auf Wiedersehen sagen möchten!

Und doch kommt Dir vielleicht diese Art des Abschiednehmens persönlich entgegen, denn Du bist kein „lauter“ Mensch. Seitdem Du am 1. Februar 2012 in unsere damals noch nicht fusionierte Gemeinde kamst, hast Du Dich mit allen Fasern Deines Herzens der Seelsorge verschrieben. Seit diesem 1. Februar 2012 warst Du in unserer Gemeinde präsent, aber nicht laut, nach dem Motto: „Hoppla, hier bin ich“. Du hast von Anfang an mit Deiner sensiblen Art eher still und leise Deine Arbeit und Deine Aufgaben erfüllt. Zielstrebig, stets am Menschen orientiert und mitfühlend, hast Du Dir die Arbeit in der Gemeinde in so vielen Bereichen zur Aufgabe gemacht. Ich habe es immer bewundert, wie ruhig Du bleiben konntest, auch dann, wenn es manchmal sehr hektisch und aufwühlend wurde. Immer den Kern der Sache im Blick, standst Du den Menschen in unserer Gemeinde St. Andreas und Martinus mit Rat und Tat zur Seite. Vermutlich sah es manchmal im Innersten Deines Herzen so ganz anders aus. Denn auch ich weiß, dass man in der Seelsorge nicht das „Innerste nach außen“ tragen darf, was Dir besser gelungen ist als mir. Ja, ich glaube, so haben Dich die Menschen hier vor Ort erlebt: Nachdenklich, immer offen für ein kleines Gespräch, emphatisch, und ganz nah an den Menschen dran. Mit einem Blick für die Probleme, den Sorgen und Anliegen der Leute hast Du in so vielen Bereichen unserer Gemeinde und unserer seelsorglichen Arbeit gewirkt. Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll?!Viele Menschen werden mit Sicherheit Deine regelmäßigen „Stationes“ (Du weiß, ich gebrauche lieber das Wort „Predigt“, entgegen dem offiziellen Sprachgebrauch, auch wenn es manche nicht gerne hören) in Erinnerung behalten, die so nah am Leben und an der Realität sind. Du hast in all den Jahren die Botschaft Jesu mit einem sicheren Blick für die Probleme der Menschen vor Ort, das Leben und die Situation unserer Kirche lebendig gemacht. Wir haben Dir gerne zugehört! Und was ich bei Deinem Weggang nicht verschweigen will: Du hast so manche Kritik mit wohlwollenden Worten zur Sprache gebracht. Konstruktive Kritik üben, die doch so selten ist, das zeichnet Dich auch aus.

Wenn ich versuche, all die Bereiche beim Namen zu nennen, in denen Du mitgewirkt und Dich ganz hineinbegeben hast, dann weiß ich nicht, ob ich alle diese Bereiche im Blick habe, denn sie sind vielfältig.

Aber eine Aufgabe steht ganz oben an: Die Vorbereitung der Kinder und Jugendliche auf das Sakrament der Erstkommunion und der Firmung. Du hast es geschafft, dass Team der Katecheten zu lenken und zu leiten, und Du hast sie mit dem Blick auf Deinen Weggang gut vorbereitet und auf den Weg gebracht. Ob bei Familiengottesdiensten, Schulgottesdiensten, den Erstkommunion- und Firmfeiern oder den Schulstunden in unserer Grundschule: Du hast ein beneidenswertes Namensgedächtnis. Viele externe Wochenenden und Aktionstage hast du organisiert und durchgeführt. Und vielleicht hast du es ja auch gespürt: Wir werden älter! Und manchmal muss man sich dann anderen Aufgaben zuwenden, so leid es einem dann auch tut.

Viele werden auch dankbar wahrnehmen, dass Du viel Energie und Ausdauer in die Arbeit für Flüchtlinge und Asylsuchende gesteckt hast. Eine Herausforderung, die manchmal zeigte, dass wir „es nicht (alles) schaffen“. Denn oft hast Du das Gespür gehabt, Du/wir müssen noch viel mehr tun, weil es an „Ecken und Enden“ fehlt. ´

Was ich auch nicht unerwähnt lassen möchte, ist Deine Arbeit in der Begleitung von Menschen, die in schwierigen Situationen stecken. Ob Obdachlose, notleidende Familien, von denen es hier in Wüllen und Wessum mehr gibt, als manche ahnen, Alleinstehende und kranke und alte Menschen hat Du begleitet, und darin viel Zeit investiert. Ob bei Hausbesuchen, bei der monatlichen Krankenkommunion oder bei dem Wunsch nach einem Gespräch, warst du stets zur Stelle und warst „ganz Ohr“. (Da fällt mir übrigens ein: Hattest Du überhaupt einen freien Tag?)

Aus manchen unseren Gesprächen weiß ich, dass Dich so manches Problem der Menschen unserer Gemeinde nicht losgelassen hat und Du das eine oder andere länger mit Dir rumgetragen hast. Ich muss nun bei Deinem Weggang gestehen, dass ich dann manchmal ein wenig Sorge um Dich hatte, denn wir beiden wissen darum, dass es wichtig ist, das nötige Maß von Nähe und Distanz zu wahren, auch dann, wenn es uns manchmal innerlich schwerfällt, ja, sogar wehtut.

Und das gibt mir das „Stichwort“ für mein nächstes Dankeschön. Es war von Anfang an auch ein Wunsch von Dir, Trauernde in den schweren Stunden des Verlustes seelsorglich beizustehen und Verstorbene auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Auch diese schwere Aufgabe hat Dir in unserer Gemeinde von vielen Familien Anerkennung und Wertschätzung gebracht.

Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle auch Deine Arbeit mit der Messdienerleiterrunde in Wüllen. Hilfsbereit hast du ihnen zur Seite gestanden und in geholfen, wo und wie immer auch Hilfe nötig war. Und wir beide wissen, wie schwer die „Jugendarbeit“ in unserer Zeit geworden ist. Da braucht man einen langen Atem und starke Nerven, besonders dann, wenn Messdiener feiern!

Wenn ich nun so Deine Zeit hier bei uns Revue passieren lasse, dann möchte ich natürlich auch Deine Mitarbeit in unserem Team nicht unerwähnt lassen. Seitdem es die Fusionen in unserem Bistum gibt, werden unsere Gemeinden flächenmäßig immer größer. Dadurch sind die kleinen, „beschaulichen“ und übersichtlichen Einheiten von Gemeinden verschwunden. Leider! Mit dem größer werden der Gemeinden, werden auch die seelsorglichen Teams größer: das Team der hauptamtlichen Seelsorger und Mitarbeiter, die eng miteinander arbeiten müssen. Und so war Dein Hiersein auch geprägt von Deiner Mitarbeit in unserem Team. Mit allen Herausforderungen, die unsere Gemeinden heute prägt, mit dem Blick für die veränderte Situation unserer Kirche, hast du so manche Idee beigetragen, viele Dinge angestoßen und zum Nachdenken angeregt. So manche Idee konnten wir aufgreifen und umsetzen, z. B. bei den Erstkommunion- und Firmfeiern und bei unserem Pfarreirat, andere Ideen brauchen vielleicht auch noch ein wenig Zeit und können umgesetzt werden, wenn die Zeit dafür reif ist.Auch die Erstellung des „Institutionellen Schutzkonzeptes, das alle Gemeinden erarbeiten müssen, hast Du mit viel Mühe und Zeitaufwand, Kraft und Energie geleitet und begleitet.

Liebe Schwester Martina, ich weiß nicht, ob ich bei meinen Worten etwas Wichtiges vergessen habe? Bewusst ist mir, dass die Aufzählung Deines Engagements und Deines Einsatzes für unsere Gemeinde St. Andreas und Martinus nicht vollständig ist, vielleicht auch nicht sein kann, weil Du so vieles geleistet und vieles im Stillen und im Hintergrund getan hast. Und dafür gebührt dir der Dank aller: Der Dank des Pfarreirates und der Kirchenvorstandes, für die ich auch diese Zeilen schreibe. Es ist einzuschließen der Dank aller Vereine, Gruppen und Verbände, der Dank so vieler einzelner Menschen und Familien, der Dank des Katechetenteams, den Michael mit eingebracht hat, der Dank unseres Leitungsteams und so vieler, die wahrscheinlich zu Wort gekommen wären, wenn Deine Verabschiedung nicht durch das Coronavirus verhindert worden wäre.

Ganz besonders möchte ich Dir auch persönlich meinen Dank sagen. Es gab viele Begegnungen, Gespräche und Gelegenheiten unserer Zusammenarbeit und unseres gemeinsamen Tuns. Letztendlich leitet uns alle – und auch uns beide – die „Suche nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit“ (Math. 6, 33). Und sollte ich einmal unfair gewesen sein, verletzend oder „über das Ziel hinausgeschossen“ haben, so bitte ich dafür um Verzeihung.

Als ich Dich fragte, was Du Dir zum Abschied wünscht, da hast Du – und dass entspricht natürlich ganz Deiner Art – nicht um ein persönliches Geschenk gebeten, sondern um eine Hilfe in Form einer Spende für „Bedürftige in den Aufgabenbereichen der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel“.

Das tue ich hiermit gerne. Wer Schwester Martinas Wunsch entsprechen möchte, der kann eine Spende geben für „Bedürftige in den Aufgabenbereichen der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel“,

Stichwort: Verabschiedung Sr. Martina Küting“,

Bergkloster Stiftung SMMP,

DKM

IBAN: DE59 400 602 65 0000 100300.

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Danke sagen möchte ich am Schluss mit einem Gedicht der Schriftstellerin Petra Fietzek, deren Gedichtet und Zeilen – wie Du weißt – sehr gefallen:

„Gehe wie Franziskus

das Herz voll von dem Einen

die Augen voll Himmel

umtopfbereit

die Heimat stets dabei

die Wurzeln nie zu tief

Bereitschaftsdienst

lebenslänglich.“

(Petra Fietzek „Freiheit zum Fragen, Gilles & Franke Verlag, 1981)

Wir alle wünschen Dir für Deinen neuen Wirkungskreis im nördlichen Schwarzwald Gottes reichen Segen, Kraft und Erfüllung.

Im Namen der ganzen Gemeinde

Michael Berning, Pfr.

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